Menschen

Viele Menschen sind nach der Zerstörung ihres Heimatplaneten und dem größten Teil ihrer Kolonien in alle Winde zerstreut worden. Die Claifex hat seitdem jeden Versuch, eine neue menschliche Kolonie zu gründen, mit aller Brutalität zunichtegemacht. Doch die hohe Widerstandskraft und Anpassungsfähigkeit der menschlichen Psyche und ihrer bereits vor vielen Generationen genetisch manipulierten Körper hat sie vor der endgültigen Ausrottung bewahrt.

Man munkelt von der Existenz geheimer Kolonien und die Gerüchte reichen von fantastischen Hohlwelten über als Asteroiden getarnte, enorme Raumstationen bis hin zu hypothetischen Metaraumtoren, die in unbekannte Galaxien reichen sollen.

Für einige wenige Völker sind die Menschen zu einem Symbol des Widerstandes gegen die Claifex geworden, zu Märtyrern. Für die meisten anderen Völker sind sie lediglich ein heimatloser Haufen Herumtreiber, mit denen sich nur die zwielichtigen Elemente der Gesellschaft einlassen.

An vielen Orten wird der Kontakt zu Menschen gemieden, weil man Angst vor der Aufmerksamkeit der Claifex hat und Schwierigkeiten vermeiden möchte oder weil man weiß, das die Terraner einem feindlich gesinnten Opponenten wenig Chancen auf einen Sieg lassen. Etliche Völker aber, die sich neutral oder sogar loyal der Claifex gegenüber verhalten, sind den Menschen ganz offen feindlich gesinnt, da die offizielle Geschichtsschreibung die gesamte Menschheit zu einer Ausgeburt des Bösen abgestempelt hat.

An einigen Orten begegnet man eher einer größeren Anzahl Menschen als anderen. Einer dieser Orte ist der Planet Katara II.
Ganz sicher aber begegnet man keinem Menschen innerhalb des Motaxun-Systems, es sei denn auf dem Weg zur Hinrichtung.

Einigen wenigen Menschen ist es trotz aller Widrigkeiten gelungen, zu Wohlstand und relativem Ansehen zu gelangen, zum Beispiel der Inhaberin der Kalypso-Werke, Demi Tomasi, die jedoch ihre Existenz vor den Augen der Claifex bedeckt halten musste, bis die VerWel diesen Missstand behob.

Viele Menschen leben als Einzelgänger, seltener in kleinen Familien, ganz selten in Sippen und verdienen sich in den verschiedensten Bereichen ihren Lebensunterhalt.

Ihre Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Klimata und ihre hohe Widerstandskraft gegenüber den meisten Krankheitserregern im Verbund mit ihrer enormen Fähigkeit zur intellektuellen Adaption stellt ihre größte Stärke dar und es gibt kaum einen Ort in der Galaxis, an dem man nicht einem Menschen begegnen könnte.

Im Gegensatz zu den Menschen der frühen Neuzeit (Homo sapiens) weisen heutige Vertreter dieser Spezies einige Veränderungen aufgrund intensiver Anwendung gentechnischer Manipulation auf.

Trotz des Bestehens individueller Merkmale und Verhaltenseigenarten sind alle zur Zeit der „Genetischen Revolution“ bekannten und bereits antizipierten körperlichen und geistigen Krankheiten, die auf den menschlichen Körper Einfluss nehmen könnten, durch eine radikale Veränderung des Immunsystems und Metabolismus weitestgehend wirkungslos gemacht worden.

Die genetischen Vorgaben wurden erweitert, wo möglich und sonst bis an ihre Grenzen gebracht. Zum Beispiel verfügt ein durchschnittlicher Mensch um 350% der Sehfähigkeit eines gesunden Menschen vor der Genetischen Revolution, was die Auflösungsgrenze der Retina darstellt.

Alle weiteren Sinne sind ebenfalls hoch entwickelt, z.B. ist der Geruchssinn besser, die Schallwahrnehmung durch das Ohr gleichzeitig robuster und empfindlicher, die Haut 25% dicker, die Heilungsrate höher als bei Neugeborenen, die Empfängnisfähigkeit bewusst steuerbar, Muskeln und Beatmungsapparat auf olympischem Niveau, das Skelett stärker und flexibler, die Zähne selbsterneuernd, etc.

Das Schlafbedürfnis konnte auf ein Minimum von vier Stunden in drei Tagen reduziert werden, dennoch verspüren viele Menschen in emotional oder seelisch anstrengenden Perioden ein größeres Verlangen nach Schlaf, oder folgen einem Tag-Nacht-Rhythmus, der ihrer Lebenssituation angepasst ist, z.B. im Zusammenleben mit anderen Spezies.

Die größte Veränderung der genetischen Grundlage geschah während der Genetischen Revolution durch die Ausdehnung der Lebenszeit. Ein durchschnittlicher Mensch wird bis zu 400 Jahre alt, einige sogar 600 oder älter. Nach dem Heranwachsen wird der Alterungsprozess stark verlangsamt, sodass ein Mensch erst in den letzten fünf Jahrzehnten deutliche Alterungserscheinungen aufweist.

Andere Völker der Claifex weisen ebenfalls Veränderungen ihrer genetischen Grundlage auf, jedoch sind die Menschen in der Entwicklung der technologischen Grundlagen schon führend gewesen, bevor sie in die intergalaktische Gesellschaft eintraten, wodurch ihnen die Anpassung an die harten Lebensumstände einer vom Aussterben bedrohten Spezies besser gelingt als anderen, die in ähnlicher Lage waren. In der Tat hatte man innerhalb der Führungsspitze der Claifex schon längst mit einem Aussterben der Spezies Mensch gerechnet.

Ungeachtet dieser enormen Überlebensvorteile neigt der Terraner zu Machtgier und moralischer und ethischer Wankelmütigkeit. Die kulturell bedingten Eigenheiten des Menschen führten zur Aufnahme des Krieges mit der Claifex-Regierung. Größenwahn und Arroganz zur beinahe erfolgreichen Vernichtung der ganzen Spezies.

Die größte Herausforderung des Menschen ist also eine Revolution des Bewusstseins, die trotz aller Gentechnik nicht erreicht werden konnte und immer noch auf sich warten lässt.