Skylla

Das Raumschiff Skylla ist ein einzigartiges Artefakt, das von dem Nefilim Odin als Ersatz für Iasons Cheiron I hergestellt wurde. Es wurde im Sternenreich Raronea erschaffen, zeitgleich mit dem Schiff Charybdis. Einige Besonderheiten des Schiffes sind seine ästhetische Gestaltung, seine enorme Bewaffnung und einige Prototypen von Nebenaggregaten, Schilden und Waffen. Als Iason in Aureols Gefangenschaft geriet, wurde die Charybdis einige Jahre lang von Susannah Tomasi genutzt, die eine geheime Kammer an Bord installierte. Infolge von Experimenten entwickelte die Proto-KI an Bord ein Bewusstsein und manifestierte sich zunächst. Später wurde bekannt, dass es sich um eine Kopie der Bewusstseins-Matrix von Susannah Tomasi handelte, die eine eigenständige Persönlichkeit entwickelte.

Neben der ungewöhnlich aufwändigen Gestaltung der Räume, verfügt die Kapitänskabine über ein barock verziertes Bett. Eine der Kabinen wurde für Truktock extra mit einem auf einem breiten Schwingarm wackelnden Bett ausgestattet, was für Partik sehr angenehm ist. Eine weitere Kabine wurde von Odin für Ari und Simeon ausgestattet, die damals noch ein sehr junges Paar waren.

„Ich fing das kalte kleine Ding auf. Es war ein Ring. Sein Gewicht war erstaunlich hoch. Er zeigte eine eigentümliche Verzierung, die mich an eine junge Frau und sechs Hunde erinnerte, die irgendwie miteinander verschmolzen.
[…] Ich ließ die Finger über den anthrazitfarbenen Rumpf gleiten und versuchte ein Gefühl für die Form zu bekommen. Das Design ähnelte der Charybdis, war aber schnittiger und kam ein wenig dem stromlinienförmigen Rumpf meiner alten Cheiron gleich. Figuren aus der Historie und Mythologie der alten Erde waren gekonnt in die Hülle eingearbeitet, jedoch deutlich zurückhaltender gestaltet, als bei der Charybdis. Eine Rampe führte mich zur Schleuse. Ich nahm den Ring zur Hand und setzte ihn auf. Ohne nachzudenken, hatte ich die rechte Hand gewählt. Der Ring schien sich an das Metall meiner Armprothese anzupassen und förmlich damit zu verschmelzen. Odin hatte Nanotechnologie benutzt, genau wie bei meiner Prothese, an deren Entwicklung er mitgewirkt hatte. Ich musterte den Fingerring und jetzt schien sich das Gesicht der jungen Frau und der Hunde mir zuzuwenden. Die Segmente der Tür teilten sich wie eine Irisblende und sanftes Licht fiel aus der Öffnung dahinter.
[…] Das Innere war schlichter gehalten, aber im Vergleich zur Cheiron ein Kunstwerk. Ein aufwändiges Lampensystem mit indirekter Beleuchtung und verzierte Paneele an den Wänden machten enormen Eindruck.
[…] Odin polterte voran und ich warf einen verstohlenen Blick auf den glatten Bodenbelag, halb befürchtend, er würde Dellen darin hinterlassen. Es war jedoch keine Spur zu sehen. Das Material musste von hoher Güte sein. Wir gingen eine flache Rampe hinauf in den hinteren oberen Teil der Skylla und betraten einen großzügigen Raum, der auf mehreren Ebenen gestaltet war.
Ich war sprachlos.
Jedes Instrument, jeder Sessel, jeder Schalter war eine kunstvolle Einzelanfertigung. Die ästhetischen Ansprüche, die Odin bei der Gestaltung des Rumpfes angelegt hatte, hatte er auf der Brücke konsequent fortgeführt. Polierte Metalle, seidenmatt schimmernder Sitzbezüge und eine grandiose Aussicht aus großzügig gestalteten Fensterflächen überwältigten mich.
Ich ging zu Odin hinüber, dessen Blick auf mir ruhte. »Das ist keine Brücke, das ist der Olymp! Der helle Wahnsinn! Ich habe noch nie so etwas gesehen. Wie … bist du bloß darauf gekommen?«
»Ich hatte vierhundert Jahre Zeit tausende von Schiffskonstruktionen zu studieren und habe damals mit den grundlegenden Planungen für eine neue Form von terranischen Raumschiffen angefangen. Ich wollte die Geschichte der Menschheit zurück in das Bewusstsein der Besatzung bringen, ihnen eine Möglichkeit zur Identifikation mit ihrer Herkunft geben. Ich bin womöglich etwas über das Ziel hinausgeschossen. Die Skylla und die Charybdis tragen die Bürde, Prototypen zu sein, die …«
Truktock brummte dazwischen. »Odin, nichts muss verbessert werden! Das Schiff ist ein Prachtstück. Hör auf, dich zu rechtfertigen!«
»Ich zeige euch den Maschinenraum.«
Odin gestikulierte mit der Hand und eine Stelle im Boden, die ich für eine kreisrunde Verzierung gehalten hatte, öffnete sich. Er trat in den Gleitschacht und sank hinab. Wir folgten ihm und glitten einige Decks nach unten. Aus irgendeinem Grunde hatte ich damit gerechnet, hinter die Kulissen zu sehen, doch der Maschinenraum war genauso gestaltet, wie der Rest des Schiffes. Eindrucksvolle Beleuchtung, verzierte Verkleidungen, stimmungsvolles Gesamtdesign.
Ich lachte ungläubig. »Man könnte fast hier wohnen.«
Odin deutete auf die einzelnen Aggregate und zeigte mir die Konsolen zur Steuerung und Diagnose. »Die Schildstruktur wird direkt durch den Antimateriereaktor gespeist. Es gibt keine Waffe, die dazu in der Lage ist, den Schild zu durchdringen.«
»Mo-mo-mo-moment. WAS?«
Truktock lachte leise und machte dann ein ernstes Gesicht. »Das ist Quatsch. Er nimmt dich auf den Arm.«
Odin schwieg und deutete auf das nächste Aggregat. »Dies ist ein Prototyp-GME, den ich für den Einsatz auf Schiffen optimiert habe. Er befindet sich noch in der Testphase und ist deaktiviert, bis ich die letzten Fehler beseitigt habe.«
»Ein gravitationsmodulierender Emitter? Ich dachte, die Dinger wären so schwer zu bauen?«
»Nur, wenn man sie in einen kleinen Nefilim-Korpus integrieren muss. Der Rumpf der Skylla fungiert als Emitterfläche.«
Er humpelte zu einem weiteren Maschinenblock.
»Dies ist ein vorläufiger Ersatz für die Bewaffnung und dient der Koordination der über den Rumpf verteilten Einzelwaffen. Ihr werdet euch mit regenerativen magnetischen Flux Kompressoren begnügen müssen, bis der GME funktioniert.
[…] Sie ließ ihren Zeigefinger auf meinem Bauch kreisen. »Ich bin hier sicher und die Beiboote der Charybdis sind flugbereit. Wir können jederzeit fliehen, falls das notwendig sein sollte.
[…] Eine Handvoll Mechanoiden versammelte sich auf der Rampe und stand Spalier. Diese Maschinen sahen anders aus, als die Ersten ihrer Art, die Odin von Floxa II mitgebracht hatte. Es waren sechs Stück, die sehr großen, unfreundlichen Hunden glichen. Das dunkle Metall ihrer Hüllen war massiv und widerstand sicherlich mancherlei Belastung. Sie sahen aus, wie kunstvoll gearbeitete Statuen, die als Verzierung für die Skylla oder die Charybdis gedacht waren. Die Oberflächen ihrer metallenen Rümpfe waren mit Ziselierungen und Einlagen versehen, ihre Augen schimmerten dunkelblau. Ich warf einen Blick auf meinen Ring und glaubte, die Züge der hundeähnlichen Mechanoiden in den Geschöpfen wiederzuerkennen, die auf der Rampe verharrten.